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Roman: Die Rebellin von Shanghai (6)
Von Tereza Vanek
Übersicht

Es war ein Land von Lärm, starken Gerüchen und bedrängender Enge. Elsa hatte niemals gewusst, welch schlichtes Glück in dem Gefühl von Sauberkeit lag, das sie nun in diesem Zimmer eines unbekannten Mädchens fand. Auf dem Schiff hatte sie sich selten zu waschen gewagt, denn als inoffizieller Passagier, der gegen ein Bestechungsgeld auf einem Frachtschiff über den Ozean geschmuggelt wurde, teilte sie sich eine Kabine mit drei Matrosen, die immer wieder neugierige Blicke in ihre Richtung warfen. Nur Elsas eisige, strenge Miene hatte sie vor Zudringlichkeit bewahrt. Nun konnte sie endlich in Ruhe in einem Zuber voll warmem Wasser liegen und sich mit einer duftenden Seife einreiben. Die hoffnungslos verschmutzte Kleidung lag ein Stück daneben auf dem Boden.

Sie war in China, im Haus von Viktoria Huntingdon und damit fürs Erste in Sicherheit. Herr Nils hatte ernst gemacht und tatsächlich Anzeige wegen Diebstahls gegen sie erstattet. Der Schiffsreise waren ein paar Wochen in einem Hinterzimmer bei Tante Magda vorausgegangen, bis Onkel Richard eine Reisemöglichkeit für sie arrangiert hatte. Und nun war sie hier. Der Schiffskapitän hatte sich ihrer schnell entledigt, erleichtert, die als Freundschaftsdienst gegenüber den Mühlenpfordts durchgeführte, illegale Aufgabe ohne Schwierigkeiten hinter sich gebracht zu haben.

Elsa war abgeladen worden wie all jene Säcke und Kisten, die das Schiff außerdem noch transportierte. Dann hatte sie allein und verloren in einer völlig unbekannten Welt gewartet und auf eine schnelle Abholung gehofft, doch niemand hatte sie beachtet. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte sie zu befürchten begonnen, unter all den schreienden, schubsenden fremden Gesichtern am Hafen einfach vergessen zu werden und unbeachtet stehen zu müssen, bis sie zusammenbrach und irgendwann mit dem Straßenmüll weggekarrt würde. Schließlich aber hatten Panik und Verzweiflung sie zielgerichtet handeln lassen. Obwohl ihr Englisch miserabel sein musste, da niemand sie verstanden hatte, und alle Wörter, die ihr zugeschrien wurden, für sie keinerlei Sinn ergaben, hatte sie nach langem Herumirren endlich einen Jinrikscha-Fahrer gefunden, für den der Name Huntingdon ein Begriff war.

Unter anderen Umständen hätte sie sich nicht von einem unbekannten Mann aus einem fremden Volk in eine ebenso fremde Stadt ziehen lassen, aber als Frau allein am Hafen würden ihr mindestens ebenso viele Gefahren drohen. Nun betrachtete sie es als persönlichen Triumph, dass sie sich selbst zu helfen gewusst hatte. Sie würde in diesem Land schon zurechtkommen, so schwierig konnte es nicht sein, und bisher war alles nicht einmal übel angegangen.


 
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