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Roman: Die Rebellin von Shanghai (2)
Von Tereza Vanek
Übersicht

Der Shanghai Race Club um 1900
Charlotte strömte mit den anderen Schülerinnen auf die Avenue Joffre hinaus und sah sich pflichtbewusst nach einer Jinrikscha um, denn sie wollte ihre Eltern nicht unnötig verärgern. Die Erlaubnis, sich weiter mit David Stuart treffen zu können, war ihr jedes Opfer wert. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals in ihrem Leben so vorbildlich folgsam gewesen zu sein wie in den letzten zwei Wochen. Um sie herum schnatterten junge Frauenstimmen auf Französisch, Englisch und in diversen chinesischen Dialekten. Die von Missionarinnen betriebene Schule war ursprünglich für eurasische Mädchen gedacht gewesen, doch mit der Zeit waren auch Chinesinnen aufgenommen worden, die eine westliche Erziehung erhalten sollten. Dazu gesellten sich neuerdings ein paar bleiche Gesichter. Charlottes beste Freundin hieß Anastassia und war die Tochter russischer Juden, die vor Verfolgungen aus ihrer Heimat geflohen waren. Russen gab es bisher nur wenige in Shanghai. Eine Schule, die all jenen weiblichen Nachwuchs aufnahm, der woanders nicht willkommen war, schien daher der richtige Ort für ein großes, mageres, hellblondes Mädchen, dem Charlotte regelmäßig Englischunterricht erteilte.

„Wann siehst du ihn denn wieder, deinen Offizier?“, fragte Anastassia nun und hakte sich bei ihr ein, um sie in dem Getümmel nicht zu verlieren.

„Nächsten Sonntag gibt es ein weiteres Pferderennen“, erzählte Charlotte stolz. „Beim letzten Mal habe ich ihm geraten, auf welches Pferd er setzen soll, und es hat tatsächlich gewonnen. Dabei habe ich nur daran gedacht, was meine Tante Chuntian mir einmal sagte. Die Sieben gilt zwar nicht als Glückszahl, aber das chinesische Schriftzeichen ähnelt dem für Gemeinsamkeit. Es war wie ein Wink des Himmels.“

Anastassia musterte sie leicht befremdet. Sie musste nach der Schule im Pelzladen ihrer Eltern mithelfen und saß manchmal bis spät in die Nacht über ihren Schulbüchern. Vermutlich fand sie Charlottes Benehmen hoffnungslos kindisch, aber was machte das schon?

„Ich sage dem Jinrikscha-Fahrer, dass er zuerst dich nach Hause bringt und dann mich. Was hältst du davon?“, schlug Charlotte vor. Anastassias Gesicht, das selbst für eine Europäerin meist krankhaft fahl wirkte, bekam ein wenig Farbe, denn ihr Heimweg war lang und führte durch die verrufene Bordellgegend der Nanjing Road. Manchmal wurde sie daher von ihrem Bruder abgeholt. Doch da auch er im Laden mithalf, fand er nicht immer die Zeit dazu. Charlotte drängte sich sogleich auf die Straße, um weiter nach einem passenden Gefährt Ausschau zu halten.


 
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