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von hannover nach shanghai 
wolfgang tiemann's ausstellung "paperroads"

Menschen und ihre Geschichte sind sein Thema, verbunden mit der Gewissheit, dass das Leben trotz Hightech archaisch geprägt ist ­ von Liebe und Eros, Gewalt und Machtstreben, Leid und Sterben. Der Maler Wolfgang Tiemann hat eine deutliche Handschrift. Schwere, erdige Töne prägen seine Arbeiten. Dunkles Blau auf braunen Moortafeln, kraftvolles Rot auf Papier, schwarze Tinte auf Leinwand.

Auf Einladung des VW-Konzerns geht es am 18. Oktober nach China, zum 5. Shanghai Art Festival im Shanghai Exhibition Center (16h, friendship hall). Diesmal allerdings nicht mit schweren Moortafeln oder üppig bemalten Leinwänden.

Seit zwei Jahren hat sich Tiemann (51) einem leichteren Material verschrieben: Papier. Bis zu fünf Meter lange Arbeiten sollen in Schanghai präsentiert werden ­um das Papier wieder dort hin zu bringen, woher es stammt.

Als gelernter Lithograph ist Tiemann seit seiner Jugendzeit die Geschichte des Papiers geläufig. Zuerst in China entwickelt und verbreitet, dauerte es bis 751, bis die Schrift-Unterlage den Sprung in die arabische und später westliche Welt schaffte. Nach der Schlacht um Talas im heutigen Usbekistan soll das Geheimnis der Papierherstellung von chinesischen Gefangenen an arabische Krieger weitergegeben worden sein.

"Es geht nicht allein um den Werkstoff Papier. Es geht vor allem um die Folgen, die die Verbreitung des Papiers hatte. Ideologien und Philosophien verbreiteten sich mit Hilfe des Papiers wesentlich schneller als zuvor. Kulturen konnten sich schneller begegnen und miteinander austauschen³, sagt
der Künstler.

Die Papier-Arbeiten wandern jetzt entlang der alten Seidenstraße: Von Samarkand ins spanische Sevilla, wo vor 1000 Jahren die Mauren ihre Ideen und Wissenschaften nach Europa brachten. Und schließlich nach Deutschland ins Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum. "Ich will den Weg
nachempfinden, den das Papier von Ost nach West genommen hat." Dem Projekt hat Tiemann den Namen "Paperroads" gegeben ­ und sich damit wohl auch in die Herzen der VW-Mitarbeiter gemalt. Wie es sich für Autobauer gehört, sind sie von Tiemanns Papier-Straßen angetan und wissen auch die Annäherung an die fernöstliche Kultur zu schätzen - und die Bedeutung des kulturellen und wirtschaftlichen Austausches. Immerhin ist China für die Wolfsburger weltweit der zweitgrößte Absatzmarkt.

bereits vor einem Jahr ging Tiemann nach Usbekistan und präsentierte seine großformatigen Papierarbeiten auf dem "Registan" in Samarkand, einem der bemerkenswertesten Plätze ganz Zentralasiens (siehe vergrösserbares foto).

shanghai exhibition center

Quelle: stefan koch / haz     Kommentare: 0
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