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Alltagsshanghaiologie: Sprache
Von Jo Schwarz
Übersicht

Chinesisch lernen kann schwierig und frustrierend sein, allein ist man damit jedoch nicht. 40 Millionen Ausländer lernen Chinesisch. Allein das Konfuzius-Institut (孔子学院, »kǒngzǐ xuéyuàn«), vergleichbar mit dem deutschen Goethe-Institut, vermeldet zwischenzeitlich jährlich über 360.000 Kursteilnehmer weltweit.

Den wenigsten geht es dabei um Gehirnjogging. China ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der jüngeren Geschichte, und etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung spricht irgendeine Variation: Mandarin-Chinesisch oder Hochchinesisch (普通话, »pǔtōnghuà«).

Ob für Arbeit, Studium oder einfach nur für einen Urlaub – Chinesisch kann hilfreich sein und verhindert ganz nebenbei noch eine geistige Verkalkung. Stürzen wir uns also darauf, kleine Bildchen, die man Schriftzeichen nennt, zu malen und Tonlagen zu singen.

Wir müssen nur etwa 1.000 von 87.000 chinesischen Schriftzeichen (汉字, »hànzì«) erlernen, um rund 90 Prozent der chinesischen Texte lesen zu können. Um uns mit dem Chinesen an sich und im Allgemeinen vergleichen zu können, benötigen wir allerdings die Kenntnis über mindestens 3.000 bis 5.000 Schriftzeichen.

Nun stellen wir uns vor, wir haben uns einen »allgemeinen Wortschatz« angeeignet, ebenfalls die vier Töne für die hochchinesische Aussprache bis zur Stimmbandentzündung gelernt und dass wir voller Erwartungen in das Reich der Mitte fliegen.

Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße: 400 Millionen Chinesen sprechen gar kein Mandarin. Also rund 29 Prozent der Chinesen in der Volksrepublik China. Dies entspricht der Bevölkerung der USA und Mexiko zusammen.

Auch der Chinese kennt das Problem, und wer einen gutbezahlten Job nach seinem Studium bekommen möchte, der lässt sich sein Hochchinesisch von der Uni bestätigen und legt das Putonghua Evaluation Examen (普通话水平测试, »pǔtōnghuà shuǐpíng cèshì«) ab. Leider bestehen knapp 40 Prozent die Prüfung nicht. Chinas Bildungsministerium (教育部, »yù bù«) sieht laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua »schwarz«. Ihrer Meinung nach ist das Hochchinesisch bei 70 Prozent der Studenten als »mangelhaft« zu bezeichnen.

Obwohl also Mandarin oder Putonghua bereits 1909 als nationale Sprache (国语, »guóyǔ«) eingeführt wurde, hat diese sich bis heute nicht vollständig durchgesetzt. Grund hierfür ist die gewaltige Ausdehnung des Landes und die damit verbundenen lokalen Dialekte.


 
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