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Treffen
Ina aus China. Oder: Was hat schon Platz in einem Koffer
Von Susanne Hornfeck
Übersicht

Dieses Buch ist all jenen gewidmet,
die Fremde freundlich aufnehmen

Schanghai, Mai 1937
Daheim

"Zaogao - so ein Mist! Schon wieder Regen!"
Yinna braucht gar nicht erst aus dem Fenster zu sehen, um zu wissen, dass draußen ein dichter, grauer Regenvorhang niedergeht. Das Trommeln der dicken Tropfen auf dem Vordach hat sie geweckt, noch bevor Liuma an die Türe poltert. Also hat Yinna noch ein bisschen Galgenfrist, um im Bett ihren Gedanken nachzuhängen.

Um diese Jahreszeit nichts anderes zu erwarten. Frühsommer in Schanghai, das heißt feucht warme Regenzeit. Trotzdem hat so ein Regenguss auch sein Gutes. Bei solchem Wetter darf Yinna mit der Rikscha in die Schule fahren, statt den Weg bis ins Internationale Viertel zu Fuß zu gehen. Eine richtige Schule ist das nicht, was die Nonnen aus Europa in einem Seitengebäude ihres Gemeindezentrums eingerichtet haben, eher eine Art Vorschule für chinesische und ausländische Kinder. Dort lernen sie Lieder, spielen, malen, und rechnen auch schon ein bisschen auf dem Abakus, der Rechenmaschine mit den verschiebbaren Kugeln. Und zu Beginn des Unterrichts machen immer alle zusammen Gymnastik.

Heute kommt Yinna das Regenwetter gerade recht. Sie will ihren neuen Schulranzen mitnehmen und ihn den Mitschülern zeigen. Ihre Cousine hat ihn aus Deutschland mitgebracht. Die ist nämlich in Deutschland in die Schule gegangen und hat dort eine Prüfung gemacht, die Reifeprüfung heißt. Wörtlich ins Chinesische übersetzt klingt das ziemlich albern. Yinna stellt sich dabei vor, wie die amas und Hausfrauen auf dem Markt kritisch an den Mangos herumdrücken, um nur die besten und reifsten zu erwischen. Und jetzt wird Meihua, die in Deutschland Marta genannt wurde, hier in Schanghai erst mal eine Zeit lang im Haushalt des Onkels wohnen, bis die Sache mit ihrem Stipendium für ein Studium in Deutschland entschieden ist.

Bei dem Gedanken an den Schulranzen hält es Yinna nicht länger im Bett. Noch vor Liumas Weckruf steht sie auf und zieht sich an. Die Sachen hat ihr Liuma schon gestern Abend bereitgelegt. Für die Kleinen ist noch keine Schuluniform vorgeschrieben, und Yinna schlüpft rasch in das ärmellose Sommerkleid. Einmal mit der Bürste über den kurzen Pagenkopf gefahren, dann rennt sie hinunter in die Küche.

Das ist das Reich von Liuma, die im Hause Chen mit ihrer eigenen Tochter Baobao als ama lebt. Das heißt sie ist Köchin, Kinderfrau und in diesem Fall auch ein wenig Mutterersatz, ganz wie der Name sagt: die Liu-Mutter. Yinnas Mutter ist nämlich kurz nach der Geburt ihrer einzigen Tochter gestorben.

"Liuma, hast du dem Rikscha-Mann Bescheid gesagt?", ruft sie anstelle eines Guten Morgen. "Heute kann ich unmöglich zu Fuß in die Schule gehen. Da wird mein neuer Schulranzen nass. Ich will ihn den anderen zeigen. Keiner hat so einen wie ich!"


 
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