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Treffen
Thriller: Shanghai Expats (3)
Von Stephan Lake
Übersicht

„An den Bund“, sagte Palmer, und der Taxifahrer fuhr los.

Palmer lehnte sich in dem durchgesessenen Sitz zurück und forderte den Fahrer auf, seine Zigarette aus dem Fenster zu werfen. Der tat es sofort und ohne Widerrede, lenkte dabei jedoch den alten Santana zu weit nach rechts und streifte den Bordstein, der Wagen wackelte und schwankte tief in den Federn, er steuerte noch rechtzeitig gegen und das Gefährt rollte wieder geradeaus. Der Fahrer lächelte und nickte in den Rückspiegel, als würde jede Taxifahrt in Shanghai genau so beginnen.

Palmer schaute regungslos zurück. Und sein regungsloses Gesicht war kein angenehmer Anblick.

Es dauerte keinen Kilometer bis ihm wirklich klar war, wie schlecht dieser Kerl Auto fuhr. Fortwährend wechselte er die Fahrspuren, stets ohne Blinkzeichen zu geben, fuhr dicht auf, um anderen keine Lücke zu bieten, bremste, wo es nichts zu bremsen gab. Drückte aufs Gaspedal, kuppelte aus, ließ den Wagen rollen, kuppelte wieder ein, wenn es ihm zu langsam wurde, gab wieder Gas, kuppelte wieder aus. Hupte ohne Unterlass.

Einen weiteren Kilometer später hatte Palmer herausgefunden, dass er sich nicht anschnallen konnte.

Die Sitze hatten keine Gurte. Mehr.

Er legte den Daumen an den Hals – acht Schläge in zehn Sekunden.



Eine halbe Stunde verging, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit ohne Unfall, dann fuhren sie über eine mächtige Brücke. Unter ihnen der Huangpu, der Fluss, der Shanghai zweiteilte und den Stadtteilen ihre Namen gab: Pudong, östlich des Huangpu, woher sie gerade kamen – Puxi, westlich des Huangpu, wohin sie fuhren. Auf beiden Seiten Hochhäuser bis zum Horizont.

Eine Stadt wie eine Wüste aus Beton. Geteilt von einem Fluss.

Hinter der Brücke ging es hinunter nach Puxi. Enge Straßen wurden breiter, der Verkehr dichter, die Gehsteige belebter, die Läden teurer.

Der Fahrer nutzte weiter jede Lücke und erzwang sich weiter Lücken dort, wo es keine gab und bog wieder auf eine vierspurige Straße. Zhongshan Lu. Der Bund.

„Wohin genau, mein Herr?“

Eine berechtigte Frage. Der Bund war mehr als zwei Kilometer lang.

„Genau hier“, sagte Palmer.

Ein harter Tritt auf die Bremse, Reifen quietschten, der Santana schwankte wie eine alte Pferdekutsche und stand.

Palmer bezahlte und stieg aus.

Der Kerl gab Gas, lenkte zu weit nach rechts, die Reifen schrammten hart gegen den Bordstein.




 
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